Zum Inhalt springen
Simbacher Computer Museum

> Der Blog des Simbacher Computer Museum_|

MB Microvision

Die 1979 von Milton Bradley veröffentlichte Microvision gilt als der erste Handheld der Geschichte mit austauschbaren Spielmodulen – zehn Jahre vor dem Nintendo Game Boy. Entworfen wurde sie von Jay Smith, der später auch die Heimkonsole Vectrex entwickelte.

Technisch war die Microvision ein radikales Kosten-Experiment: Das Grundgerät selbst besaß weder Prozessor noch Arbeitsspeicher – es bestand im Kern nur aus dem 16×16-Pixel-LCD-Display, der Folientastatur und einem Lautsprecher. Die komplette Rechenlogik steckte stattdessen direkt im jeweiligen Modul, das je nach Spiel entweder einen Intel-8021- oder einen TI-TMS1100-Chip enthielt. Jedes Spiel brachte damit quasi seinen eigenen kleinen Computer mit – ein einzigartiger Ansatz, der in dieser Form nie wieder verfolgt wurde.

Diese Konstruktion hatte allerdings ihren Preis: Die Module waren entsprechend teuer in der Herstellung, zudem war die frühe LCD-Technik empfindlich und die Kontakte anfällig für elektrostatische Entladungen, die einzelne Module dauerhaft zerstören konnten. Trotz eines vielversprechenden Starts – allein im ersten Jahr erzielte Hersteller Smith Engineering rund 15 Millionen US-Dollar Umsatz – blieb die Spielebibliothek mit insgesamt nur 12 veröffentlichten Titeln sehr überschaubar. Fehlende Unterstützung etablierter Spielehersteller sowie die technischen Schwächen führten bereits 1981 zur Einstellung der Produktion. Ihren festen Platz in der Geschichte hat die Microvision dennoch: Laut Satoru Okada, dem früheren Leiter von Nintendos Entwicklungsabteilung R&D1, diente sie als eine der Inspirationsquellen für den späteren Game Boy.

Hersteller:Milton Bradley Company
Modell:Microvision (MB Microvision)
Herkunft:USA
Erscheinungsjahr:1979
Produktionsende:1981
Stückzahl:keine gesicherte Gesamtzahl bekannt (Umsatz im ersten Jahr: ca. 15 Mio. US-Dollar)
Prozessor:kein Prozessor im Gerät selbst — CPU befand sich im jeweiligen Modul (Intel 8021 oder TI TMS1100, je nach Spiel)
Taktfrequenz:100 kHz (im Modul)
RAM:64 Byte (im Modul, kein RAM im Grundgerät)
Grafikchip:kein separater Grafikchip — LCD wurde direkt vom Modul-Prozessor angesteuert
Farben:monochrom (LCD, keine Graustufen)
Anzeigemodi:Auflösung 16×16 Pixel
Soundchip:kein dedizierter Soundchip
Sound:einfacher Lautsprecher (Pieptöne, je nach Modul)
Laufwerk:Steckmodule mit eingebauter CPU und ROM (insgesamt nur 12 Spiele erschienen)
I/O:12-Tasten-Folientastatur (je nach Modul unterschiedlich belegt)
Drehregler (Paddle) für einige Spiele
Stromversorgung:1× 9-V-Block (Intel-8021-Module) bzw. 2× 9-V-Block (TMS1100-Module)
Translate »